Die Zeiten, in denen afrikanische Prinzen dir ihr Vermögen schenken wollten, sind leider vorbei. Heute sind Spam-Mails nicht mehr so leicht zu erkennen wie noch vor einigen Jahren. Spam richtet sich nicht gezielt gegen dich oder dein Unternehmen. Es wird einfach weit gestreut und gehofft, dass jemand anbeißt. Deswegen kann es auch jeden treffen und die Größe deiner Firma oder deine finanzielle Lage spielen keine Rolle.
Spam ist nicht gleich Spam
Grundsätzlich sollte man zwischen zwei grundsätzlichen Arten von Spam unterscheiden.
Zum einen gibt es Firmen, die dir Werbemails schicken, obwohl du dich nicht dafür angemeldet hast. Vielleicht hast du in dem Shop noch nicht mal eingekauft. Solche Firmen haben sich deine Adresse vermutlich als Teil einer Liste gekauft. Das ist – zumindest in Deutschland und der EU – illegal, aber erstmal nicht gefährlich. Den Shop gibt es wirklich und es werden wirklich Produkte verschickt, wenn du etwas kaufst. Vermutlich ist es billig produzierter Müll, aber das ist nochmal ein anderes Thema. Grundsätzlich kannst du davon ausgehen, dass ein guter Online-Shop mit qualitativen Produkten es zum einen nicht nötig hat, auf solche illegalen Mittel zurückzugreifen. Zum anderen würde die Firma den Image-Verlust nicht in Kauf nehmen wollen, nur um ein paar Werbemails zu verschicken. Ich rate dir also nicht, bei dem Shop einzukaufen. Aber du bist auch nicht aktiv in Gefahr.
Zum anderen sind da die wirklich gefährlichen Spam-Mails. Gefälschte Rechnungen, Viren als Anhang oder täuschend echt nachgebaute Anmeldeseiten, in die du deinen Benutzernamen und dein Passwort eingibst. Es muss dir nicht peinlich sein, wenn du schon mal auf sowas reingefallen bist. Auf 1000 offensichtliche Spam-Mails kommt eine, die wirklich gut gemacht ist und einen schon mal hinters Licht führen kann.
Genau deshalb ist es so wichtig, genau hinzuschauen, nicht alles einfach zu öffnen oder anzuklicken und mit gesunder Skepsis durchs E-Mail-Postfach zu gehen.
6 verdächtige Anzeichen, mit denen du Spam erkennen kannst
Du bist gar kein Kunde
Ich bekomme häufig Mails mit den Absendernamen Strato, IONOS oder 1&1. Ich habe da aber überhaupt kein Kundenkonto. Egal wie echt die Mail also aussieht: die kann sofort weg!
Die Absenderadresse
Meist ist das bereits der Punkt, an dem du auch die bestgemachteste Spam-Mail überführen kannst. In jedem Mail-Programm gibt es die Möglichkeit, sind neben dem angezeigten Namen des Absenders auch die Mailadresse anzeigen zu lassen. Teilweise steht sie einfach direkt dahinter, teilweise musst du mit der Maus über den Namen hovern (also den Mauszeiger drauf bewegen, aber nicht klicken).
Wenn die Adresse nicht zum Absender passt, kann es gut sein, dass es sich um eine Spam-Mail handelt. In einigen wenigen Fällen kann es jedoch vorkommen, dass ein Newsletter über eine Software verschickt wird und deren Email-Adresse angezeigt wird. Hast du dich nicht für einen Newsletter dieser Firma angemeldet, kannst du die Mail in den Spam-Ordner verschieben. Wenn du dich angemeldet hast, lohnt es sich, noch ein paar andere Anzeichen zu überprüfen.
Spam-Mails in den Spam-Ordner zu verschieben oder die Adresse oder die komplette Domain zu blockieren, ist immer eine gute Idee. So lernt dein Spam-Filter und Mails von dieser Adresse kommen beim nächsten Mal gar nicht erst an.
Wenn die Absenderadresse verschleiert wird, ist das auch nie ein gutes Zeichen. Da steht dann z.B. deine eigene Adresse oder irgendein Platzhalter und dein Mail-Programm gibt einen Hinweis wie “xyz@abc.de im Auftrag von [deine Mailadresse]”. Spam!
Tipp: Achte auch immer auf die Schreibweise. Große Firmen sichern sich meistens auch alle Domains mit Tippfehlern oder kleinen Änderungen. Unter anderem, damit sowas nicht passieren kann. Aber kleine Firmen haben das unter Umständen nicht auf dem Schirm oder nicht das Budget für 100 verschiedene Domains mit jeder möglichen noch so kleinen Änderung.
Dringlichkeit und Ultimaten
Wenn eine Mail dir besonders dringlich vorkommt, solltest du aufmerksam werden. Dir Angst zu machen, dass etwa deine Website gelöscht wird oder etwas sofort rechtliche Konsequenzen hat, ist eine gängige Taktik.
Dein Hostinganbieter wird niemals sofort deine Website löschen, nur weil du mit einer Zahlung in Verzug bist. Nach einigen Mahnungen wird man deine Website deaktivieren. Wenn du dann immer noch nicht reagierst, wird sie irgendwann gelöscht. Aber nicht, weil deine Rechnung gestern fällig war. Sondern weil du Wochen und Monate nicht reagiert oder bezahlt hast.
Auch eine nicht bezahlte Rechnung wird nicht direkt dem Anwalt übergeben. Dich erreicht vielleicht eine Mahnung, möglicherweise musst du lästige Mahngebühren zahlen. Immer noch besser als gehackt zu werden.
Der Link
Befindet sich in einer Mail ein Link, z.B. zum Bezahlen, um zu deinem Kundenkonto zu gelangen oder die Rechnung einzusehen, kannst du auch über diesen hovern (Maus drauf, nicht klicken!). Dir wird dann entweder direkt neben dem Mauszeiger oder (je nach Mailprogramm) unten rechts oder links im Programm der Link angezeigt, der sich tatsächlich hinter diesem Button verbirgt. Wenn der nicht zum angeblichen Absender passt, solltest du vorsichtig sein.
Besuche dein Kundenkonto immer über den dir bereits bekannten Link außerhalb der Mail, um Rechnungen einzusehen.
Links, die aus Zahlen- und Buchstabenkombinationen bestehen, sind leider kein eindeutiges Zeichen für Spam. Die Links in meinem Newsletter werden z.B. auch verändert. Dadurch kann das Programm auswerten, wie oft der Link angeklickt wurde. Wenn aber schon ein oder mehrere der vorangegangenen Punkte zutreffen, solltest du auf keinen Fall drauf klicken.
Der Anhang
Spam-Mail enthalten häufig verdächtige Anhänge. Das könnten zum Beispiel .zip Dateien sein, aber auch Word-Dokumente sind beliebt. Wenn du dir unsicher bist, solltest du sie auf keinen Fall öffnen, sondern über dir bekannte Kanäle beim Absender nachfragen.
Sprache & Grammatik
Natürlich kann auch einer seriösen Firma mal ein Fehler unterlaufen. Das heißt, nicht jeder Rechtschreibfehler ist automatisch ein Anzeichen für eine Spam-Mail. Wenn sich aber Rechtschreib- und Grammatikfehler häufen, Anreden wie “Sehr Benutzer” verwendet werden oder die Satzstellung wie schlecht übersetzt klingt, hast du es vermutlich mit Spam zu tun.
Was passieren kann, wenn du auf eine Spam-Mail reinfällst
Auf eine Spam-Mail reinzufallen ist nicht nur nervig, sondern kann auch ernsthafte finanzielle oder sogar rechtliche Konsequenzen haben.
Dein Rechner oder Handy wurde infiziert
Wenn du einem harmlos wirkenden Link gefolgt bist oder einen Anhang geöffnet hast, kann dein Gerät sich mit einer Schadsoftware infizieren. Es kann passieren, dass dein Gerät verrücktspielt, langsamer wird, komische Pop-Ups angezeigt werden oder es sogar zu einem Totalausfall kommt. Es kann aber auch sein, dass du überhaupt nichts merkst, aber jemand heimlich alles mitliest, was du tust. Beides ist wahnsinnig gefährlich.
Deine Daten landen in fremden Händen
Bist du auf eine gefälschte Eingabemaske hereingefallen, hast du einem Betrüger Emailadresse, Passwörter oder sogar Kreditkarteninformationen übermittelt. Diese Daten kann er entweder dazu nutzen, um sich selbst in deinen Account einzuloggen oder die Daten sogar im Internet weiterverkaufen. Ändere umgehend deine Passwörter und lass ggf. deine Kreditkarte sperren oder rede mit deiner Bank über deine Möglichkeiten.
Das kann teuer werden
Egal, ob du eine gefälschte Rechnung bezahlt hast oder jemand sich Zugang zu deinem Paypal-Account verschaffen konnte: für dich wird es im Zweifel extrem teuer! Besonders wenn es um Rechnungen geht oder du irgendwo deine Zahlungsdetails eingeben musst, solltest du besonders vorsichtig sein. Manchmal erpressen dich Hacker auch, dass sie dein Gerät oder deine Website nur nach einer Zahlung wieder freigeben. Du bist dann nicht nur Geld los, sondern hast auch keinerlei Garantie, dass die Schadsoftware danach wirklich verschwunden ist. Das passiert nicht nur großen Firmen, sondern kann auch bei kleinen Soloselbstständigen und Privatpersonen der Fall sein.
Jemand gibt sich für dich aus
Mit den gestohlenen Daten kann jemand in deinem Namen Accounts eröffnen, Verträge abschließen oder Käufe tätigen. Häufig merkst du das erst, wenn komische Abbuchungen auftauchen oder dir Mahnungen ins Haus flattern.
Dein Postfach verschickt Spam
Wenn Betrüger dein Mailkonto übernehmen, verschicken sie unter deinem Namen Spam an andere. Das kann nicht nur peinlich werden („Warum schickst du mir Werbung für dubiose Pillen?“), sondern deinem Ruf extrem schaden. Damit ist nicht nur der Ruf deiner Firma gemeint, sondern auch der Ruf deiner Mailadresse im Internet. Wird deine Adresse als Spam-Adresse eingestuft, kommen deine Mails auch bei deinen Kunden vielleicht nicht mehr an.
Rechtliche Konsequenzen folgen auf dem Fuß
In seltenen Fällen kann es passieren, dass dein gekapertes Gerät Teil eines kriminellen Netzwerks wird (z. B. zum Spam-Versand oder für Hackerangriffe). Dann musst du nachweisen, dass du nicht selbst dahintersteckst. Und selbst wenn du das einwandfrei nachgewiesen hast, bleibst du auf den Anwaltskosten sitzen.
Du hast bestätigt, dass es deine Adresse gibt
Klickst du auf einen Spam-Link oder antwortest sogar, wissen die Absender: Diese Adresse gibt es wirklich, da sitzt jemand dahinter. Das führt dazu, dass du noch mehr Spam erhältst als vorher.
Mit einfachen Mitteln vor Betrug schützen
Damit du jetzt nicht jeden Tag mit Panik dein Postfach mit Panik öffnest und keine Rechnung mehr aus Angst vor Betrug bezahlst, folge einfach dem einfachen Schema:
- Überprüfe den Absender und die Mailadresse: Bist du überhaupt Kunde? Passt die Mailadresse zum Absender?
- Geh logisch an die Sache ran: Kann es sein, dass jetzt eine Rechnung kommt? Hast du aktuell etwas gekauft? Ist deine Abo-Rechnung (jährlich, halbjährlich) gerade fällig?
- Atme erstmal tief durch: Setzt die Mail dich unnötig unter Druck? Kann es wirklich sein, dass du eine Rechnung übersehen hast?
- Rufe dein Kundenkonto direkt auf: Geh nicht über den Link in der Mail, sondern ruf dein Kundenkonto auf gewohntem Weg auf. Ist da eine Rechnung zu finden?
- Frag nach: Dir kommt die Mail dubios vor? Frag bei deinem Kontakt direkt nach. Nicht über “Antworten”, sondern über die normale Mailadresse oder sogar per Telefon oder Social Media, falls du den Verdacht hast, die Adresse der Person könnte gehackt worden sein.
Mit Spam-Mails ist nicht zu spaßen und die Konsequenzen können richtig ernst sein. Setz deinen gesunden Menschenverstand ein und trau dich, um Hilfe zu bitten, wenn du dir unsicher bist. Manchmal bin ich auch genervt, wenn meine Mutter mir eine Mail weiterleitet und mich fragt, ob es Spam ist. Denn für mich ist es so offensichtlich. Aber eigentlich bin ich froh, dass sie fragt und nicht einfach klickt.
Tipp: Nutze verschiedene Passwörter! Das ist allgemein clever und sorgt dafür, dass nicht direkt jeder deiner Accounts in Gefahr ist,wenn mal ein Passwort gestohlen wurde. Am besten sind natürlich wahllose Kombinationen aus Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen.
Praktische Checkliste zur Website-Vorbereitung
Sammele alle Informationen zu deiner Website an einem Ort: Rechtliche Texte, Domains und Emailadressen, Farben und Schriften, To-Dos für die Barrierefreiheit deiner Seite. Alles gesammelt in einem Google Dokument.
